Dropshipping (Reihengeschäft)

Das beliebte Reihengeschäft im E-Commerce

Besonders im E-Commerce ist Dropshipping ein beliebtes Geschäftsmodell. Die Waren werden dabei nicht vom Händler selbst, sondern von einem Dropshipping-Dienstleister vorgehalten, verpackt und versendet. Dies bietet gerade für Einsteiger in den Onlinehandel viele Vorteile, beinhaltet als Reihengeschäft jedoch einige steuerliche und rechtliche Besonderheiten.

Dropshipping – Definition

Beim Dropshipping verkauft ein Onlinehändler Produkte über einen eigenen Shop oder eine Verkaufsplattform, obwohl die Ware physisch beim Lieferanten liegt und dort erst dann vom Händler bestellt wird, sobald der Endkunde kauft. Der Lieferant (Dropshipping Dienstleister) versendet die Ware anschließend direkt an den Kunden.

Rechtliche & steuerliche Einordnung Dropshipping 

Rechtlich und steuerlich handelt es sich dabei um ein sogenanntes Reihengeschäft, da mehrere Parteien an derselben Warenbewegung beteiligt sind. Es entstehen mindestens zwei getrennte Verträge, jeweils zwischen Endkunde und Händler und zwischen Händler und Lieferant. Diese Verträge unterliegen unterschiedlichen steuerlichen und rechtlichen Bedingungen. Insbesondere dann, wenn es sich um Akteure in unterschiedlichen Ländern handelt, wird es komplex. 

Wie funktioniert Dropshipping?

Das Dropshipping-Modell folgt einem vergleichsweise einfachen Ablauf:

  1. Der Händler stellt Angebote in seinem Onlineshop, hat diese jedoch nicht selbst auf Lager.
  2. Ein Kunde bestellt und bezahlt bestimmte Waren.
  3. Der Händler übermittelt die Bestellung an den Lieferanten.
  4. Ein Lieferant (Dropshipping Dienstleister) verschickt die Waren direkt an den Kunden.
  5. Der Händler erzielt die Gewinnmarge aus der Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis.

Im Hintergrund entsteht dabei rechtlich gesehen ein Reihengeschäft zwischen Lieferant, Händler und Endkunde. Obwohl die Ware direkt vom Lieferanten an den Käufer versendet wird, bleibt der Händler Vertragspartner des Kunden.

Gerade bei internationalen Lieferungen ist die genaue Zuordnung der Warenbewegung innerhalb eines Reihengeschäfts wichtig, da hiervon die umsatzsteuerliche Behandlung abhängt.

Anwendungsbereiche von Dropshipping

Dropshipping wird vor allem im Onlinehandel eingesetzt. Besonders verbreitet ist das Modell in folgenden Bereichen:

  • Mode und Accessoires
  • Elektronik und Gadgets
  • Haushaltswaren
  • Fitness- und Lifestyle-Produkte
  • Print-on-Demand-Produkte
  • Nischenprodukte im E-Commerce

Viele Start-ups und kleine Unternehmen nutzen Dropshipping, um ihr Business zu starten, neue Märkte zu testen oder ihr Produktsortiment flexibel zu erweitern. Da kein eigenes Lager benötigt wird, lassen sich Produkte schnell austauschen oder ergänzen.

Auch Marktplätze wie Amazon, eBay oder Shopify-Shops arbeiten häufig mit Dropshipping-Strukturen, die steuerlich als Reihengeschäft bewertet werden können.

Vorteile von Dropshipping

Das Geschäftsmodell Dropshipping bietet insbesondere für Gründer und kleinere Unternehmen zahlreiche Vorteile.

Geringe Startkosten

  • Da keine Waren eingekauft oder gelagert werden müssen, sinkt der Kapitalbedarf erheblich, es wird kein Kapital in noch nicht verkaufte Waren gebunden.
  • Es sind keine Lagerflächen notwendig, Lagerkosten entfallen.
  • Der Händler muss sich nicht um den Versand kümmern.
  • Das Risiko nicht verkaufter Waren wird minimiert. 

Hohe Flexibilität

  • Produkte können schnell ergänzt oder entfernt werden.
  • Neue Produkte können ohne Risiko angeboten und getestet werden.
  • Es kann schnell auf neue Markttrends reagiert werden.
  • Neue Märkte oder Nischen können ohne großes Risiko ausprobiert werden. 

Einfacher Markteintritt

  • Start-ups können mit geringem Risiko in den E-Commerce einsteigen, auch nebenberuflich, ohne Lager oder Büroräume.
  • Erste Erfahrungen können ohne großes Risiko gesammelt werden.

Große Produktauswahl

  • Die meisten Dropshipping Anbieter (meist Lieferanten, Hersteller usw.) bieten ein großes Sortiment an.
  • Neue Produkte können relativ unkompliziert ins eigene Online-Angebot übernommen werden.

Ortsunabhängiges Arbeiten

  • Dropshipping eignet sich ideal für digitale Geschäftsmodelle.
  • Der Onlinehändler kann seinen Shop von überall her betreiben.
  • Eigene Lager-, Verkaufs- und Büroräume sind nicht zwingend erforderlich.

Nachteile von Dropshipping

Trotz vieler Vorteile bringt Dropshipping auch einige Herausforderungen mit sich.

Geringere Gewinnmargen

  • Da viele Händler dieselben Produkte anbieten, entsteht oft ein starker Preisdruck, die Margen fallen daher häufig niedrig aus.
  • Zudem erhält auch der Dropshipping Anbieter eine Marge bzw. Zahlungen für seine Leistungen.
  • Zusätzliche Margen entstehen häufig zwischen Hersteller und Lieferant / Dropshipping Anbieter, wenn diese nicht identisch sind. 

Abhängigkeit vom Lieferanten

  • Lieferzeiten, Produktqualität und Verfügbarkeit liegen meist außerhalb der direkten Kontrolle des Händlers.
  • Es können Lieferschwierigkeiten entstehen, wenn globale Liefersysteme in Krisen geraten.

Kundenservice nicht vollständig beeinflussbar

  • Probleme beim Versand oder Retourenmanagement können den Ruf des Händlers belasten, obwohl er den Versand nicht selbst organisiert.
  • Die Produktqualität kann nicht immer direkt überprüft werden.
  • Es entsteht eine große Abhängigkeit von der Zuverlässigkeit des Lieferanten.

Wenig Einfluss auf Branding

  • Da Verpackung und Versand in der Regel durch den Lieferanten erfolgen, sind individuelle Markenauftritte nur eingeschränkt möglich.
  • Häufig wird auch die Rechnung vom Lieferanten dazu gelegt, hier müssen Design usw. geklärt werden.

Komplexe steuerliche Herausforderungen

  • Besonders bei internationalen Lieferketten entstehen schnell komplexe umsatzsteuerliche Sachverhalte.
  • Da Dropshipping als Reihengeschäft eingeordnet wird, spielt es eine große Rolle, welche Lieferung wie steuerlich betrachtet wird und in welchem Land Umsatzsteuer anfällt.

Mehr Informationen und Tipps für erfolgreiches Dropshipping gibt es hier!

Steuerliche Rahmenbedingungen beim Reihengeschäft

Dropshipping als Reihengeschäft bringt einige rechtliche und steuerliche Herausforderungen mit sich. 

Was bedeutet Reihengeschäft – Definition

Ein Reihengeschäft liegt vor, wenn mehrere Unternehmer über denselben Gegenstand Kaufverträge abschließen, die Ware jedoch direkt vom ersten Lieferanten an den letzten Kunden gelangt. 

Es entstehen (mindestens) zwei Verträge:

  • Zwischen Händler und Endkunde
  • Zwischen Händler und Lieferant

Wo ist bei einem Reihengeschäft (Dropshipping) Umsatzsteuer zu zahlen?

Innerhalb eines Reihengeschäfts muss bestimmt werden, welche Lieferung die sogenannte „bewegte Lieferung“ ist. Diese Zuordnung entscheidet darüber:

  • in welchem Land Umsatzsteuer entsteht
  • ob eine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung (innerhalb der EU) vorliegt
  • welche Rechnungsangaben erforderlich sind
  • wer die Steuer schuldet.

Gerade beim internationalen Dropshipping innerhalb der EU oder bei Importen aus Drittländern sind die steuerlichen Anforderungen komplex. 

Folgende Aspekte sind dabei wichtig:

Verkäufe an Privatkunden innerhalb der EU

  • Die Umsatzsteuer ist in der Regel im Bestimmungsland (d.h. am Wohnsitz des Endkunden) zu zahlen.
  • Dies gilt immer, wenn die Lieferschwelle von 10.000 Euro pro Jahr (für die gesamte EU) überschritten wird.
  • In vielen Fällen kann die Zahlung der Mehrwertsteuer per OSS-Verfahren erfolgen.

Importe von Waren aus Drittländern (Nicht-EU-Ländern)

  • Warenimporte aus Nicht-EU-Ländern werden mit Zoll- und Einfuhrgebühren belegt.
  • Darüber hinaus ist die Einfuhrumsatzsteuer zu zahlen.
  • Diese Kosten entstehen vor allem für Händler aus dem Vertrag mit dem Lieferanten, da viele Waren im Dropshipping aus Drittländern (China, Indien usw.) eingeführt werden. 

Dokumentationspflichten & Rechnungsstellung beim Dropshipping

Für Händler im E-Commerce sind mit dem Dropshipping vielfältige Dokumentations- und Rechnungsstellungs aufgaben verbunden:

  • Unternehmen müssen Warenbewegungen und Lieferketten sorgfältig dokumentieren, insbesondere bei grenzüberschreitenden Geschäften.
  • Da steuerliche Fehler im Reihengeschäft schnell zu Nachzahlungen oder Bußgeldern führen können, empfiehlt sich unbedingt die Beratung durch einen Steuerberater mit Erfahrung im internationalen E-Commerce.
  • Eine korrekte Rechnungsstellung ist im Reihengeschäft essentiell, um steuerliche Risiken zu vermeiden.

Fazit

Dropshipping ist ein attraktives Geschäftsmodell für den Einstieg in den Onlinehandel. Die niedrigen Investitionskosten, die hohe Flexibilität und die einfache Skalierbarkeit machen diese Art von Reihengeschäft besonders für Start-ups und digitale Unternehmer interessant. Dabei sollte jedoch das Thema Steuern nicht vernachlässigt werden, denn Dropshipping ist in dieser Hinsicht sehr komplex.

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